Kränzebinden

„Das Kränzebinden ist ein beliebter Brauch von altersher. Es trägt zur Stärkung des Heimatgedankens und des Zusammenhaltes der Altenaer Bürger bei und findet seinen sichtbaren Ausdruck in der Ausgestaltung unserer Heimatstadt.“


Quelle: www.fwg-altena.info


Neben dem Brauch, bestimmte Lieder gemeinsam zu singen kam um 1830 noch ein weiterer

auf, welcher heute noch erhalten geblieben ist: das Kränzebinden oder auch Kränzen.

 

Die Jungschützen stellten den Offizieren und Führern mit bunten Kronen geschmückte Ehrenpforten vor die Tür, damit ein jeder sehen konnte, wer eine hohe Position innerhalb der Gesellschaft bekleidete. Die Kronen wurden aus buntem Krepp gebunden und allein die Anzahl der zu bindenden Kronen bedeutete viel Vorbereitung. Für die Schützenjugend ermöglichte es aber auch, dass sie sich schon im Vorfeld kennenlernen konnten und so wurden diese Vorbereitungen und das Schmücken der Türen beibehalten.

Heute beginnen die Kompanien etwa zwei Monate vor dem anstehenden Fest mit dem Kränzebinden. Es wird in den einzelnen Zügen veranstaltet und mit Spielen und gemütlichem Beisammensein kombiniert.

Innerhalb der Stadtteile werden Tafeln aufgestellt, um die Daten der Kränzebinden zu veröffentlichen. Generell findet das Binden jedes Wochenende bis zum Fest statt.

Die Veranstaltungsorte werden als Kränzebinderlokale bezeichnet.

 

Am Tag vor dem ersten Festtag werden die Kronen feierlich zu den Häusern der Zug- und Kompanieführer, der Scheffen, Ehrenscheffen, Spieße, Fähnriche, des Adjutanten und Hauptmanns gebracht. Am Abend wird das Kronenfest gefeiert.

König und Königin erhalten eine goldene bzw. silberne Krone sobald sie feststehen.

 

Quelle: Nadine Hampel; Das Schützenfest als kultureller Sonderfall; 2010


Ehrenpforten beim Besuch von Friedrich-Wilhelm II


Ehrenpforten wurden aber schon lange vorher gesetzt und erstmals beim Besuch des Kronprinzen 1788 erwähnt:

So ist überliefert, dass die Straßen von Nachrodt nach Altena für diesen Besuch stark ausgebessert wurden und die Fabricanten auf der neugebauten Lennebrücke zu Nachrodt einen Ehrenbogen mit lateinischer Aufschrift errichteten. Sechs Mädchen vom Lande sagten

dem König dort ihr Gedicht auf bevor dem Monarchen hier eine berittenen Abordnung der Altenaer entgegen kam.

Auf dem gesamten Weg nach Altena standen die Fabricanten mit ihren Werkstücken Spalier.

In der Brachtenbecke, wo die Altenaischen Drahtrollen anfingen, erwartete der Magistrat von

Altena, nebst Vorstehern und Zunftmeister der Fabricquen den Kronprinzen.

An dem Weg von der Brachtenbecke bis zum Hünengraben standen 60 Uniformierte mit Marschallstab in der Hand, der oben mit Eichenlaub umwunden und mit einem roten Bande geziert war.

Außerdem waren auf dem Weg von der Brachtenbecke bis in die Freiheit insgesamt sechs Ehrenbögen errichtet worden, der erste am heutigen Selvekreisel.

Dann besuchte der Kronprinz die Fabriken am Hünengraben und setzte seinen Weg anschließend über die Bahnhofstraße fort. In Höhe der heutigen „Hünenburg“ sangen Chöre und auf „Großen Brücke“ streuten Mädchen Blumen auf den Weg.

Vor der Lutherkirche stand ein weiterer Ehrenbogen. Der Kronprinz besuchte die Lutherkirche, speiste in Altena und erhielt zahlreiche Gedichtsvorträge sowie Geschenke, die er huldvoll entgegen nahm.

Das ganze Volk war auf der Straße um seinen König zu empfangen und den Leuten standen die Freudentränen in den Augen.

„Am folgenden Tag vereinigte sich die ganze Bürgerschaft zu einem allgemeinen Fest, an dem alle ohne Unterschied der Stände bei frugaler und simpler Bewirtung sich den Empfindungen der Freude über den besten König überließen.“


30. April 2012: Altenaer Kreisblatt

 

Das Altenaer Kreisblatt berichtete am 30.04.2012 über das Kränzebinden

im Kelleramt - Zug 5:

Das Schützenfest der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft Altena vom 7. bis 10. Juni rückt in greifbare Nähe, und somit ist auch das traditionelle Kränzebinden in den Zügen der fünf Kompanien in vollem Gange.

Deshalb kamen die Mitglieder des recht jungen 5. Zuges der KompanieKelleramt“ zum vierten Mal in der Gaststätte „Zur Rastatt“ in Nachrodt-Wiblingwerde zum Kränzebinden zusammen.

Diese Tradition geht auf das 18. Jahrhundert zurück. Damals besuchte der preußische König Friedrich Wilhelm II die Burgstadt, was die Bürger zum Anlass nahmen, für ihn Ehrenpforten, vermutlich aus Blumen und Tannengrün, zu errichten.

Später im 19. Jahrhundert setzte sich dieser Brauch dann auch bei den Schützenfesten der

Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft für die Vorstandsmitglieder durch.

Im Rahmen von insgesamt acht Abenden stellen die Schützen des 5. Zuges aus bunten Lackpapierstreifen insgesamt drei Kronen her – eine für den aktuellen Zugführer Bernhard Fischer, zwei weitere für zwei verdiente Mitglieder, die inzwischen als „Scheffen“ agieren.

 

Die Frage, warum heute vom „Kränzebinden“ und nicht vom „Kronenbinden“ gesprochen wird, ist nicht wirklich geklärt – vermutlich wurden die Kronen in früherer Zeit als „Kränze“ bezeichnet. Die prachtvollen Kronen werden beim Schützenfest, das bei der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft alle drei Jahre stattfindet, zu den Vorstandsmitgliedern gebracht.

 

Stolz präsentierten die Mitglieder des 5. Zuges, allen voran Zugführer Bernhard Fischer, seine Lebenspartnerin Christina Westerwell, Spieß Achim Bröcker, die verdiente Kranzbinderin Elfriede Kalweit sowie als Gast der Kompanieführer der KompanieKelleramt“, Peter Rohe, die erste der insgesamt drei Kronen für den 5. Zug, die am Freitag fertiggestellt wurde.

 

„Für eine Krone verarbeiten wir 30 Bögen buntes Papier im Format 80 mal 120 Zentimeter“, erklärt Zugführer Fischer und lässt so die Arbeit erahnen, die in der aufwändig gestalteten Krone steckt. Zur Herstellung der übrigen zwei Kronen sind nun für die Mitglieder des 5. Zuges noch vier weitere Abende in der Gaststätte „Zur Rastatt“ angesetzt.